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Chronik der Ambulatorischen und Geburtshilflichen Tierklinik

Von der Churfürstlichen Thier-Arzney-Schule Dresden bis zur Ambulatorischen Geburtshilflichen Klinik

der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig

historisches Foto

1853

Nach der Trennung der Spitalklinik der Dresdener Thierarzneyschule im Jahr 1853 in eine Stallklinik, eine Auswärtige Klinik und eine Ambulatorische Klinik werden erstmalig Tiere in die Stallklinik aufgenommen, bei denen Geburtshilfe geleistet werden muss.

seit 1857

Dem Unterrichtsplan der Königlichen Thierarzneischule zufolge werden den zukünftigen Tierärzten spezielle Kenntnisse in Geburtshilfe vermittelt, wobei die am häufigsten vorkommenden Fälle und bewährte geburtshilfliche Verfahren eine besondere Berücksichtigung finden.

Die praktischen Übungen werden im 5. Semester am Phantom vorgenommen. Im 7. Semester absolvieren die Studierenden ein Praktikum in der Spital- und Poliklinik und in der Ambulatorischen Klinik. Die geburtshilflichen Kenntnisse theoretischer und praktischer Art werden den Schülern durch die Leiter und Assistenten der Auswärtigen Klinik vermittelt.

1860-1876

Die Vorlesungen werden von Carl Friedrich VOIGTLÄNDER gehalten, danach von Albert JOHNE, der zugleich die Geburtshilflichen Demonstrationen leitet. Die Instruktion der Studenten über Unfruchtbarkeitsbehandlungen in den landwirtschaftlichen Betrieben ist eine Aufgabe der Auswärtigen Klinik.

1898-1906

Die Ausbildung in Geburtshilfe wird durch August EBER, danach, und zwar bis 1906, von Johannes SCHMIDT geleitet.

1906-1943

Entsprechend der Prüfungsordnung für Tierärzte vom Dezember 1912 beinhaltet die tierärztliche Prüfung ein Examen im Fach Tierproduktionslehre, dessen Inhalt die Tierzucht, die Fütterungslehre und die Geburtshilfe sind. Demzufolge werden von den Studierenden der Dresdner Hochschule Kenntnisse über Tierzucht, Futtermittel, Ernährung der landwirtschaftlichen Haustiere und Geburtskunde am lebenden Tier oder am Phantom verlangt. Dazu gehören auch geburtshilfliche Operationen und Erkrankungen der Mutter- und Jungtiere.

Durch die Berufung von Johannes RICHTER im Jahr 1906 bekommt das Lehrfach Geburtshilfe neue Impulse. So erlangt die Geburtshilfe in Leipzig ein hohes wissenschaftliches Niveau. Der Vorrang der Geburtshilfe insbesondere beim Rind wird aufgehoben. Entsprechend den nationalen und internationalen Kenntnissen werden Störungen der Fruchtbarkeit in den Mittelpunkt der Lehre gestellt. Johannes Richter ist von 1906 bis 1912 zugleich Direktor der Ambulatorischen Tierklinik, der ehemaligen Auswärtigen Klinik. 1912 gibt er die Leitung der Klinik ab, um den durch den Tod des Tierzüchters Gustav Pusch frei gewordenen Lehrstuhl für Tierzucht zu besetzen. Das Fach Geburtskunde wird nach der neuen Prüfungsordnung von 1925 als ein eigenständiges Fach geprüft.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1943 ist Johannes Richter Direktor des Institutes für Tierzucht und Geburtskunde.

Das große Gebäude für Tierzucht und Geburtshilfe in der neuerbauten Veterinärmedizinischen Fakultät ermöglicht eine niveauvolle und umfangreiche Vermittlung von theoretischen und praktischen Kenntnissen zur Fortpflanzung und ihrer Störungen.

1914-1944

Ewald Weber wird mit der Leitung der Ambulatorischen Tierklinik betraut und nimmt diese bis zu seinem Tode 1944 wahr.

1943-1949

Im Jahre 1943 übernehmen vertretungsweise Hans-Jürgen Voss und Harry Tillmann die Ausbildung in Geburtskunde, danach, von 1945 bis 1949, ist Oskar Röder dafür zuständig.

1949

1949 wird die Geburtshilfe unter der Leitung des Tierzüchters Heinrich Arcularius wieder mit dem Institut für Tierzucht vereinigt, wobei die Vorlesungen in Geburtskunde durch Karl Schmidt gehalten werden.

1951-1957

Im Jahre 1951 erhält Alfred Walther die Berufung für den Lehrstuhl für Geburtskunde. Walthers Verdienst sind seine erfolgreichen Untersuchungen zur Fortpflanzungshygiene und zum normalen Ablauf der Geburt beim Rind. Weiterhin sieht er es als eine wesentliche Aufgabe der Ambulatorischen Klinik an, Fortpflanzungsstörungen und Tierseuchen zu bekämpfen.

1958

Nach der Emeritierung von Alfred Walther im Jahre 1957 wird 1958 Rudolf Neundorf auf den Lehrstuhl für Ambulatorische Tierheilkunde und Geburtskunde berufen und zum Direktor der Ambulatorischen und Geburtshilflichen Tierklinik ernannt. Aufgrund der derzeit geltenden Auffassung über die Rolle der Viehwirtschaft in der landwirtschaftlichen Produktion erkennt er die Bedeutung, die sein Fach in diesem Zusammenhang hat, und leitet Arbeiten zur Verbesserung der Diagnostik am Genitale des Rindes an, die mit klinischen und laborgebundenen Methoden Ergebnisse auf international anerkanntem wissenschaftlichem Niveau erreichen (Monographie von Wilfried Rommel: Diagnostik am Genitale des Rindes. Habilitationsschrift). Gleichzeitig werden Fragen der Sicherung der Euter- und Kälbergesundheit sowie der Fortpflanzungssteuerung beim Schwein im Zusammenhang mit der Zunahme der Konzentration der Tierbestände bearbeitet. 

1968

Nach Neundorfs Tod Ende 1967 übernimmt Karl Rothe 1968 das Ordinariat und Direktorat der Ambulatorischen und Geburtshilflichen Tierklinik; er war bis dahin Professor für Tierheilkunde und Direktor der Veterinäranstalt der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Während seiner kurzen Amtszeit bis 1972 beginnt man die Geschlechtshormondiagnostik durch radiologische Methoden zu erforschen und sich mit biotechnischen Maßnahmen beim Schaf zu befassen. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Zusammenarbeit mit dem Leipziger Zoologischen Garten.

1968

Die Gründung der Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin mit ihren drei Fachrichtungen Tierproduktion, Agrarpädagogik und Veterinärmedizin führt zu einschneidenden Veränderungen: Die Ambulatorische und Geburtshilfliche Tierklinik wird in "Fachgruppe Reproduktion landwirtschaftlicher Nutztiere" umbenannt. Die Ambulatorik wird stark reduziert, und an ihrer Stelle konzipiert man ein Programm zur Zusammenarbeit mit Tierärzten vorwiegend aus dem Bezirk Leipzig zur Fruchtbarkeitskontrolle beim Rind.

1972-1974

Nach dem Weggang von Rothe 1972 - er wird zum Direktor des Forschungszentrums für Tierproduktion in Dummerstorf berufen - übernimmt Joachim Schulz bis 1974 die Leitung der Fachgruppe, wobei er die Zusammenarbeit mit der Praxis auf dem Gebiet der Eutergesundheit verstärkt. 

1975

1975 wird Kurt Wohanka zum Ordinarius für Physiologie und Pathologie der Fortpflanzung und Leiter der Fachgruppe berufen. Schwerpunkte in der Forschung während dessen Amtszeit sind neben den Themen Geburt, Eutergesundheit und Neugeborene auch umfangreiche Studien zum Puerperium bei Rindern. Die Biotechnik beim Schwein wird weiter bearbeitet, ebenso die Fortpflanzungssteuerung beim Schaf, letztere unter der Leitung von Wilfried Rommel, der als ordentlicher Professor mit Lehrauftrag in der Geburtshilfe und als Ordinarius für Tropenveterinärmedizin im Jahre 1975 in die Fachgruppe integriert wird und die Teilfächer Physiologie und Pathologie der Fortpflanzung sowie Künstliche Besamung lehrt.

In der Amtszeit Wohankas erfährt die Fachgruppe eine neuerliche Umbenennung, nämlich in "Wissenschaftsbereich Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere".

1977

1977 wird Karl Elze zum außerordentlichen Professor berufen, der für Lehre und Ausbildung auf dem Gebiet der Jungtierkrankheiten zuständig ist und die Leitung der Fachtierarztausbildung für Schweinekrankheiten sowie die Leitung der tierärztlichen Betreuung des Leipziger Zoos übernimmt.

1980

Nach der Emeritierung von Wohanka im Jahre 1980 erfolgt die Berufung von Joachim Schulz zum Ordinarius für Physiologie und Pathologie der Fortpflanzung und zum Leiter des Wissenschaftsbereiches.

1990

Nach der Wiedervereinigung und mit der Wiedereinrichtung der Veterinärmedizinischen Fakultät entscheidet sich der Fakultätsrat aus Traditionsgründen für die Umbenennung des Wissenschaftsbereiches in "Ambulatorische und Geburtshilfliche Tierklinik". Die Ambulatorische und Geburtshilfliche Tierklinik wird mit drei Professuren bestückt::

Aufzählung

Professur für Herdendiagnostik und Zuchthygiene (C-4) 1992 mit Karl Elze,

Aufzählung

Professur für Reproduktionsbiologie, Andrologie und Haustierbesamung (C-3) 1992 mit Frau Ute Schnurrbusch und

Aufzählung

Professur für Geburtskunde und Gynäkologie (C-4) im Jahre 1996 mit Axel Sobiraj,

der nach Elze im Jahre 1996 auch das Direktorat der AGTK übernimmt. Nach dem Ausscheiden von Elze wird die Professur für Herdendiagnostik und Zuchthygiene nicht mehr besetzt. Im Zusammenhang mit der Neuberufung für Geburtskunde und Gynäkologie werden umfangreiche Rekonstruktions- und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Das bis 1989 dem Institut für Tierfütterung gehörende Stall- und Versuchsgebäude wird zum größten Teil wieder der AGTK zugewiesen. Es entstehen hieraus unter anderem ein Labortrakt für In-vitro-Arbeiten, ein Versuchstierabteil sowie eine für die Patientenversorgung und Lehre gleichermaßen nutzbare zweite Klinikhalle.