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Habilitationen

 

Die gynäkologische Untersuchung beim Schwein unter besonderer Berücksichtigung der transkutanen Ultrasonographie

 

Large Animal Clinic for Theriogenology and Ambulatory Services, Faculty of Veteri­nary Medicine, University of Leipzig (Cumulative Habilitation Thesis)

 

 

Kumulative Habilitationsschrift

 

13. September 2004

 

 

- PD Dr. habil. Johannes Kauffold, Johannes

Zusammenfassung

 

225 Seiten einschließlich 11 Kopien von Publikationen, 184 Lit., 2 Abb., 4 Tab.

 

Der sich verschärfende globale Wettbewerb erfordert, dass Ferkelerzeugerbetriebe heute noch rentabler als bisher wirtschaften müssen. Das Reproduktionsmanagement ist zu optimieren. Dies ließ sich bisher jedoch nur partiell realisieren, da die klinisch-gynäkologische Untersuchung als eines der wesentlichsten Elemente des Reproduktionsmanagements beim Schwein nur eingeschränkt durchführbar und diagnostisch defizitär ist. Durch die Anwendung der  Ultrasonographie ließe sich dieses Defizit kompensieren, da damit Uterus und Ovarien beim Schwein darstellbar sind. Tatsächlich gelang es, dieses Verfahren zur Trächtigkeitsuntersuchung in die Schweineproduktion zu implementieren, obwohl nach wie vor wenige, aber wesentliche Details strittig oder ungeklärt sind. Im Gegensatz dazu gelang es bisher nicht, die ultrasonographische Untersuchung der Ovarien und des ingraviden Uterus als Teil einer gynäkologischen Untersuchung beim Schwein zu instrumentalisieren und in der Ferkelerzeugung als Bestandteil des Reproduktionsmanagements zu etablieren. Gründe dafür sind, dass der ingravide, vor allem aber der erkrankte Uterus im Ensemble mit den Ovarien nur unzureichend charakterisiert ist und anwenderorientierte Studien fehlen.

Ziel dieser Arbeit war es, mit Hilfe der transkutanen Ultrasonographie Ovarien und Uteri beim Schwein zu untersuchen, um A) strittige oder ungeklärte Fragen zur sonographischen Trächtigkeitsuntersuchung zu klären, B) die Geschlechtsreife von Jungsauen zu beurteilen und C) reproduktionsgestörte Sauen bzw. Reproduktionsstörungen zu charakterisieren. Es sollte eruiert werden, ob sich transkutane ultrasonographische Trächtigkeits-, Ovar- und Uterusuntersuchungen zu einer ultrasonographisch-gynäkologischen Untersuchung vereinen lassen und in diagnostische Programme sowie die Ferkelerzeugung implementiert werden können. Letztlich war zu beantworten, ob die in dieser Studie genutzten Ultraschallgeräte und Schallköpfe geeignet und diese sowie vergleichbare mobile Gerätschaften bei ambulantem Einsatz seuchenhygienisch unbedenklich sind.

An jeweils mehreren 100 bis 1000 Sauen ließ sich bestätigen, dass die transkutane sonographische Trächtigkeitsuntersuchung mit hoher Genauigkeit sowohl zur Erkennung tragender als auch nicht tragender Sauen am 20. oder 21. Tag nach einer Besamung oder Belegung geeignet und der Umrauscherkontrolle als bisher übliches Verfahren zur Trächtigkeitsuntersuchung überlegen ist. Es konnte demonstriert werden, dass einmal als tragend befundete Sauen nur dann nochmals auf Trächtigkeit kontrolliert werden müssen, wenn Fruchtbarkeitsprobleme, vor allem embryonale Fruchtverluste und/oder unerkannte Aborte, im Bestand auftreten.

An 44 Jungsauen wurden sonographische Parameter zur Erfassung der Geschlechtsreife erarbeitet und post mortem verifiziert. In einem zweiten Experiment an 52 Jungsauen ließ sich bestätigen, dass der Ovarbefund (kleine Follikel = präpubertal; Gelbkörper und große Follikel = pubertal) ausnahmslos, der Uterusbefund (Querschnittsfläche der Uterushörner £ 1,0 cm2 = präpubertal, ³ 1,2 cm2 = pubertal) mit hoher Genauigkeit zur Bestimmung der Geschlechtsreife geeignet ist. Als ungeeignet erwies sich hingegen die Blutserum-Konzentration des Estradiol-17b wie auch die Vulvagröße, da durch beide Parameter vor allem präpubertale Jungsauen falsch als pubertal beurteilt werden.

Die Ovarien von 386 ingraviden Jung- und Altsauen wurden an den Tagen 20 bis 114 nach einer Besamung sonographisch untersucht. Dabei konnten unterschiedliche ovarielle Funktionskörper, darunter Follikel verschiedener Größe, periovulatorische Strukturen, Gelbkörper und solitäre wie auch multiple Ovarzysten eindeutig diagnostiziert werden. Die Heterogenität der Ovarbefunde ist bei einer angestrebten Medikation zur Brunstauslösung zu berücksichtigen. Vorherige sonographische Untersuchungen der Ovarien wären daher sinnvoll.

Es konnte sonographisch nachgewiesen werden, dass Uteri fertiler Sauen in ihrer Größe und Echotextur reproduktionsphysiologischen Veränderungen unterliegen. Durch histologische Untersuchungen wurde demonstriert, dass diese Veränderungen durch ein unterschiedliches Ausmaß in der endometrialen Ödematisierung hervorgerufen werden. Es wurde postuliert, dass die Veränderungen in der uterinen Echotextur die Fluktuationen der Estrogen-Konzentrationen reflektieren und an bestimmte ovarielle Funktionskörper gebunden sind; die uterine Echotextur ist homogen bei kleinen Follikeln und Gelbkörpern und heterogen bei großen Follikeln. Alle davon divergierenden Konstellationen sollten als potenziell pathologisch betrachtet werden. So konnte demonstriert werden, dass als pseudogravid beurteilte Sauen mit Gelbkörpern vermutlich infolge einer Zearalenon-Exposition stark heterogen texturierte Uteri besaßen und Sauen mit kleinen Follikeln und stark heterogen texturieren Uteri verminderte Fertilitätschancen im Vergleich zu Tieren mit homogener Uterustextur aufwiesen. Die gleichzeitige sonographische Ovarbefundung ist für die Beurteilung der uterinen Echotextur essentiell, in anderen Fällen hilfreich, wie bei anöstrischen (kleine Follikel, sehr kleiner Uterus) und klinisch unerkannt intersexuellen Sauen (Konstanz ovarieller und uteriner Befunde über einen längeren Zeitraum und im Vergleich aufeinanderfolgender sonographischer Untersuchungen) demonstriert.

Das Uterusgewicht lässt sich intra vitam ermitteln (Uterusgewicht = 357,6 x Querschnittsfläche der Uterushörner0,801), ist aber als prognostischer Parameter für die Beurteilung der Fertilität einer Sau nicht geeignet. Die Existenz „normaler“ Uterusgewichte ist zu bezweifeln.

Durch histologische Untersuchungen an 47 Sauen wurde verifiziert, dass exsudative Endometritiden, wie z. B. die des akut-chronischen Typs, sonographisch anhand uteriner Flüssigkeitsansammlungen zu diagnostizieren sind. Chronische Endometritiden bleiben hingegen sonographisch unerkannt, selbst wenn Uterusgröße und Echotextur als Parameter Verwendung finden.

Transkutane ultrasonographische Trächtigkeits-, Ovar- und Uterusuntersuchungen lassen sich sinnvoll zu einer ultrasonographisch-gynäkologischen Untersuchung vereinen. Deren Implementierung in diagnostische Programme und in die Ferkelerzeugung wäre anzustreben und nicht zuletzt auch deshalb praktikabel, da die verwendeten mobilen Ultraschallgeräte und der 5 MHz-Linear-Schallkopf bestens für den Einsatz vor Ort geeignet sind.

Ambulant genutzte Ultraschallgeräte sind potenzielle Vektoren für Bakterien, Pilze und Viren. Sie sind vor Gebrauch zu verpacken und anschließend äußerlich zu reinigen und zu desinfizieren. Auf wechselnde Bestandsbesuche in engen Zeitabständen ist zu verzichten.

Zukünftige wissenschaftliche Fragestellungen sollten sich der weiteren sonographischen Charakterisierung der Genitalorgane der Sau widmen und sich vor allem auf klinisch inapparente Uteruserkrankungen sowie die Eileiter konzentrieren. Die Einbeziehung der Harnblase erscheint ebenfalls sinnvoll. 

 

Increasing global competition demands that weaner units must now operate more economically than previously. The need to optimise the management of reproduction could only be partly realised to date, because the clinical gynaecological investigation, forming one of the most fundamental elements of reproductive management in the pig, could only be carried out to a limited extent with shortcomings in its diagnosis. The application of ultrasonography allows for these shortcomings to be compensated for, as the uterus and ovaries in the pig can thus be visualised. In fact, this procedure has been successfully implemented for diagnosing pregnancy in pig production, despite there still being a few significant details that remain disputed or unexplained. In contrast to this, it has not yet been possible to exploit the ultrasonographic examination of the ovaries and non-pregnant uterus as part of a gynaeco­logical examination in the pig and to establish it as a part of the management of reproduction in weaner pig production. The reasons for this are that the non-gravid and above all the diseased uterus, along with the ovaries, have been inadequately characterised and that there is an absence of applied orientated studies.

The aim of this work was to examine the ovaries and uterus in the pig with the aid of transcutaneous ultrasonography, in order A) to clarify contentious issues or un­answered questions relating to sonographic pregnancy testing, B) to assess the sexual maturity in gilts and C) to characterise sows with reproductive disorders and these disorders per se. It was to be elicited, as to whether or not transcutaneous ultrasonographic pregnancy, ovarian and uterine testing could be combined as part of an ultrasonographic-gynaecological examination and be implemented within the diagnostic programme and piglet production routines. Finally was to be answered, whether or not the ultrasonic devices and probes used in this study were suitable and that these and comparable portable equipment were safe for use in relation to contagious infections in an ambulatory application situation.

With at any one time more than 100 and up to 1000 sows, it could be shown that transcutaneous sonographic pregnancy testing is suitable in determining both a posi­tive and negative state of pregnancy with high levels of accuracy on the 20th or 21st day post insemination or natural service and that as a method of pregnancy detection, it is superior to the currently commonly applied returns to service checking pro­cedure. It could be demonstrated, that sows found in the first instance to be gestating, should only have a repeat pregnancy test when fertility problems, primarily embryonic mortality losses, and/or unseen abortions are rife in the herd.

Sonographic parameters to determine sexual maturity were established in 44 gilts and these were verified post mortem. In a second experiment on 52 gilts, it was pos­sible to confirm that ovarian diagnostic findings (small follicle = prepubertal; yellow bodies and large follicle = pubertal), was suitable, without exception, for the determination of sexual maturity, and that the uterine diagnostic findings (cross-sectional area of the uterine horns £ 1.0 cm2 = prepubertal, ³ 1.2 cm2 = pubertal) also yielded high levels of accuracy. In comparison, the blood serum concentration of estradiol-17b proved unsuitable, as well as the size of the vulva, as for both these parameters there is a false diagnosis, primarily in prepubertal gilts.

The ovaries from 386 non-gravid gilts and sows were sonographically examined on days 20 to 114 after insemination. Thereby the various ovarian functional bodies, in­cluding differing sized follicles, periovulatory structures, yellow bodies and solitary as well as multiple cysts, could be clearly diagnosed. The heterogeneity of the ovarian findings must be considered when planning artificial treatment to induce estrus. Previous sonographic examination of the ovaries is considered expedient.

It could be proven by sonography, that the uteri from fertile sows underwent changes in their size and echotexture. It was demonstrated by histological investigations that these changes are heralded through the varying degree of endometrial oedematisation. It is postulated, that the changes in the uterine echotexture reflect the fluc­tuations of the oestrogen concentrations and are related to specific ovarian functional bodies; the uterine echotexture is homogenous with small follicles and yellow bodies and heterogeneous with larger follicles. All combinations divergent to this should be considered as potentially pathological. Thus it could be demonstrated, that sows judged as being pseudo-gravid and having yellow bodies had strongly heterogene­ously textured uteri assumed to be the result of exposure to zearalenone, and that sows with small follicles and strongly heterogeneously textured uteri had reduced fertility chances compared to that exhibited by animals with a homogenous uterine texture. The concomitant sonographic ovarian examinations are essential for the assessment of the uterine echotexture, helpful in other cases, such as with sows with anoestrous (small follicles, very small uterus) and identify clinically unrecognised in­tersex sows (consistent ovarian and uterine clinical findings over a long time period and in comparison to consecutive sonographic investigations).

The uterine weight can be derived intra vitam (uterine weight = 357.6 x cross-sec­tional area of the uterine horns0.801), it is however unsuitable as a parameter for the prognosis for assessing a sow’s fertility. The existence of a normal uterine weight is to be doubted.

It was verified, on the basis of histological examinations on 47 sows, that exudative endometritis, such as e.g. the acute-chronic form, can be diagnosed sonographically on the basis of uterine fluid accumulations. Chronic endometritis in contrast remains undetected sonographically when the uterine size and echotexture parameters are applied.

It is expedient to combine the transcutaneous ultrasonographic pregnancy test with the examination of the ovaries and uterus as part of an ultrasonographic-gynaeco­logical examination procedure. The implementation within a diagnostic routine and in weaner pig production is to be aimed at, and last but not least it is also therefore practicable as the ultrasonic devices and 5 MHz-linear-probe used is ideally suited for use in pig housing.

Ultrasonic devices used in the field are potential vectors for bacteria, fungi and viruses. They should be covered prior to use, along with external cleaning and disin­fection. Visits to differing herds within a short time interval are to be avoided.

Future scientific enquiries should further address the sonographic characterisation of the sow’s genital organs and concentrate primarily on the clinically unapparent uterine infections and the oviducts. It also appears appropriate to include the bladder in these investigations.

Die schwere Torsio uteri intra partum beim Rind und ihre chirurgische Therapie.

Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig

Kumulative Habilitationsschrift

30.10.2009

 - Dr. Axel Schönfelder

Zusammenfassung

159 Seiten einschl. 13 Kopien von Publikationen, 205 Lit.

Die Wirtschaftlichkeit der Rinderhaltung befindet sich unter starkem Konkurrenzdruck und unterliegt damit Veränderungen. So wurden und werden gerade im letzten Jahrzehnt effizientere Haltungs- und Produktionsmöglichkeiten gesucht. Der Tierarzt als Teil dieser Entwicklung kann sich diesem Trend nicht entziehen. Bis vor wenigen Jahren wurden in der Nutztiermedizin noch schwer kranke Tiere, die eine umfassende Therapie benötigt hätten, oft nicht behandelt, sondern notgeschlachtet. Heute ist das keine Lösung mehr. Die Krankschlachtung, die nicht mehr praktiziert wird, war oft auch ein Hindernis für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden. Demzufolge waren nach dem praktischen Wegfall der Krankschlachtung schwere Krankheitsfälle, insbesondere die konservativ nicht therapierbare Torsio uteri intra partum beim Rind, häufig mit einem Totalverlust des Rindes für den Tierbesitzer verbunden.

Ziel dieser Arbeit war es, neue Erkenntnisse für eine effiziente Behandlung besonders schwerer Fälle der Torsio uteri intra partum zu erarbeiten. Dabei stand die operative Behandlung im Mittelpunkt. Es wurden erstmals systematisch an einem größeren Krankengut umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Folgen der Torsio uteri auf den Organismus zu erfassen. Dazu waren Auswirkungen der Torsio uteri und ihre wechselseitige Beeinflussung durch die Operation auf die großen parenchymatösen Organe, das Blutbild, den Kreislauf und das Verhalten von Entzündungsparametern des Muttertieres zu analysieren.  Fragen zur Ätiologie, zu den pathologisch-anatomischen Veränderungen der Gebärmutter infolge Torsion, späterer Fertilität und zur Rentabilität der operativen Behandlung wurden bearbeitet.

In diese prospektive Studie fanden 54 Rinder mit konservativ nicht therapierbarer Torsio uteri intra partum Eingang, die zwischen 1999 – 2004 in der Ambulatorischen und Geburtshilflichen Tierklinik der Universität Leipzig behandelt wurden. Sie stellen für den mitteldeutschen Raum ein repräsentatives Kollektiv für dieses Krankheitsbild dar und entstammten aus vergleichbaren Haltungsbedingungen. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von der Einweisung der Tiere in die Klinik (Tag 0) bis zu ihrer Entlassung, durchschnittlich 10 Tage post operationem (Tag 10). Wir führten neben obligaten klinischen Untersuchungen Enzymbestimmungen, dopplersonographische Messungen, histologische Untersuchungen an Uteruswandexzisaten, Blutbilduntersuchungen, Elektrolytbestimmungen und Untersuchungen von Entzündungsparametern durch. Präoperativ und danach in 24 h – Intervallen wurden GLDH, AST, LDH, ß-Hydroxybutyrat, Bilirubin, Cholesterol, Harnstoff, Kreatinin, CK, Laktat, Gesamtkalzium, anorganisches Phosphat, Mg2+, Na+, K+, Hämatokrit, Hämoglobin, MCHC, Haptoglobin, Gesamtleukozyten, Granulozyten, Lymphozyten/ Monozyten und Thrombozyten bestimmt.

In einer Literaturstudie wurden bisherige Hypothesen und Ansichten zur Ätiologie der Torsio uteri dargestellt, bewertet und daraus eine Entstehungstheorie abgeleitet. Demzufolge ist die Entstehung der Torsio uteri ein multifaktorielles Geschehen. Dabei spielen plötzliche Bewegungen von Muttertier und Frucht, den Uterus destabilisierende Faktoren und eine verminderte Fruchtwassermenge eine entscheidende Rolle.

Prognostische Untersuchungen ergaben, dass beim Vorliegen einer Torsio uteri intra partum  präoperativ vor allem die von rektal fühlbare Konsistenz der Gebärmutter wichtige Hinweise zur Prognose (Mortalität, Fertilität) geben kann.

Dopplersonographische Blutflussmessungen bewiesen, dass die Torsio uteri intra partum mit einer Minderdurchblutung der Gebärmutter einhergeht. Diese wird durch eine torsionsbedingte Lumeneinengung der Aa. uterinae mit einem erhöhten Blutflusswiderstand und einer geringeren Blutflussgeschwindigkeit verursacht.

Es werden torsionsbedingte Abweichungen vom operativen Ablauf der Sectio caesarea conservativa benannt, operative Vorgehensweisen und evtl. Komplikationen bei der extraabdominalen Uterusvorlagerung beschrieben und Lösungswege aufgezeigt. Es wird auf die Möglichkeit der Ovariohysterektomie verwiesen und deren Indikation von uns definiert. Die Operationstechnik der Ovariohysterektomie und ein Teil des benötigten Instrumentariums wurde entwickelt, an verendeten Tieren standardisiert und in die klinische Praxis überführt.

Wir definierten unter Einbeziehung von Grad und Dauer der Torsion 3 Torsionsstadien. Damit lässt sich die Schwere der Erkrankung charakterisieren. Sie ermöglicht eine verbesserte Prognosestellung und erleichtert den Vergleich mit anderen Studien.

Die Stoffwechseluntersuchungen ergaben, dass Rinder mit präoperativ erhöhtem Kreatininwert eine schlechte Prognose quoad vitam haben.

Unmittelbar postoperativ erleiden die Patienten als Reperfusionsfolge eine akute, anikterische  Hepatose. Torsions- und operationsbedingte Blutungen senkten den Hämatokritwert besonders bei Tieren mit Torsionsstadium 3 stark ab. Außerdem kam es postoperativ zu einer stress-, ernährungs- und infusionsbedingten Hypomagnesämie. Tiere, bei denen postoperativ Hypomagnesämie mit Hypokaliämie vergesellschaftet war, wiesen eine schlechte Prognose quoad vitam auf. In den ersten 4 postoperativen Tagen ist die Stoffwechsellage besonders kritisch. Ca. 65 % der verstorbenen Tiere verendeten in dieser Zeit. Deshalb ist besonders in der sich unmittelbar an die Operation anschließenden Phase eine sorgfältige Kontrolle und Überwachung mit Ausgleich pathologischer Parameter erforderlich.

Hauptverantwortlich für die Schädigung der Gebärmutter bei Torsio uteri sind Hypoxie und Ödeme, die zu flächenhaften Myometriumsdegenerationen bzw. Nekrosen führen. Sie sind nach erfolgter Retorsion des Uterus ursächlich für das Reperfusionssyndrom. Seine Intensität bzw. Ausmaß ließen sich gegenüber Normalgeburten oder mit Kaiserschnitten beendeten Dystokien anderer Genese u.a. mit der Bestimmung der Haptoglobinblutplasmakonzentration (HpBPK) nachweisen. Histologische Untersuchungen der Uteruswand 1,5 Jahre nach operierter Torsio uteri intra partum ergaben eine Verminderung des Myometriums, eine diffuse und knotige Myometriumfibrose, erhebliche degenerative, teils obliterierende Gefäßwandveränderungen, chronische Entzündungsinfiltrate und eine Schleimhautatrophie. Diese Befunde entsprachen als Spätfolge den akuten Uteruswandveränderungen und bilden die Basis für die Infertilität.

Durch Blutungen wird der Uterus weniger stark geschädigt. Für die zukünftige Fertilität nach Torsio uteri intra partum scheinen frühzeitige (1.-3. Tag post operationem) endogene Reparationsvorgänge wichtig zu sein. Sie hängen u.a. von der Leistungsfähigkeit der Leber ab.

Innerhalb der ersten 10 Tage nach der Operation traten bei ca. 70 % der entlassenen Muttertiere Folgeerkrankungen auf. Es handelte sich meistens um Involutionsstörungen der Gebärmutter, deren Ursache u.a. eine Metritis war. Außerdem traten Labmagenverlagerungen, Beckenphlegmone, Verwachsungen und eitrige Endometritiden auf. Eine hohe HpBPK im späten postoperativen Verlauf ist ein Hinweis auf eine Folgeerkrankung. Bei ⅓ der entlassenen Patientinnen heilte die Bauchwandwunde per sekundam.

Die Überlebensrate der Muttertiere lag bei 75 %. Davon wurden ca. 40 % später wieder tragend. Werden Überlebensrate und Fertilität nach Torsionsstadien aufgeschlüsselt, können  folgende Angaben gemacht werden: Torsionsstadium 1 hatte eine Überlebensrate von 82 %. Davon wurden 70 % wieder tragend. Torsionsstadium 2 hatte eine Überlebensrate von 73 %, wovon 37,5 % wieder tragend wurden und Tiere des Torsionsstadiums 3 überlebten in 56 % der Fälle und waren später alle infertil. Die Überlebensrate der Kälber lag bei 12 %.

Todesursachen operierter Torsio uteri-Patientinnen waren septische Verläufe die vom torsionsbedingt geschädigten Uterus ihren Ausgang nahmen (n = 9), Embolie (n = 1) und Euthanasie wegen Festliegens (n = 3).

Eine Kosten-Nutzten-Analyse ergab, dass sich die operative Therapie von Rindern mit konservativ nicht korrigierbaren Torsiones uteri trotz der Risiken finanziell für den Besitzer  durch anschließende Milchleistung, Überleben des Kalbes, mögliche weitere Zuchtverwendung bzw. den Schlachtwert lohnt.

Zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen zur operativen Behandlung der Torsio uteri intra partum sollten sich auf die Erkennung von Risikotieren für Gebärmuttertorsion, die Thrombosegefahr, das Reperfusionssyndrom und die Regenerierung am Uterus konzentrieren. 

  

Severe uterine torsion intra partum in cows and the surgical therapy

The profitability of cattle farming faces intense competition and undergoes continual changes; therefore, more efficient possibilities of animal keeping and animal production were established and continue to be developed today. The veterinarian is integral to this development and can not avoid this trend.

Until a few years ago it was customary in the medicine of farm animals that severely ill animals, which were in need of an extensive therapy, were not treated, but emergency slaughtered. Today this is not a solution anymore, and the emergency slaughter of a sick or injured animal is no longer practiced. It was often an impediment to the development of new methods of treatment. After the elimination of emergency slaughter, severe cases of illnesses, especially conservatively incorrectable uterine torsion in cows, often resulted in a total loss of the cow for the owner of the animal.

The aim of this study was to develop new principles for a more efficient treatment of particularly severe cases of uterine torsion intra partum. The focus of interest was the surgical treatment. For the first time extensive investigations were done systematically on a larger number of patients in order to understand the consequences of uterine torsion on the animal. For that purpose the effect of uterine torsion and its mutual influence of surgery on the large parenchymatous organs, the blood picture, the circulation, and the reaction of inflammation parameters of the dam had to be analysed. Questions of etiology, gross pathological changes of the uterus as a result of torsion, subsequent fertility and profitability of surgical treatment were investigated.

54 cows with conservatively incorrectable uterine torsion intra partum which have been treated at the Large Animal Clinic for Theriogenology and Ambulatory Services of the University of Leipzig during 1999-2004 were recorded in this investigative study. They represent for the central German area a representative group of this clinical picture and come from comparable husbandry conditions. The time of observation covers the hospitalization of the animals (day 0) until the discharge, with an average of 10 days post operationem (day 10). In addition, obligate clinical examination investigations were done on determination of enzymes, Doppler ultrasound examination, histological examinations on samples of uterine wall, examinations on blood picture, determination on electrolytes and examinations on parameters of inflammation. Before surgical treatment as well as afterwards in intervals of 24 hours the following activities of enzymes and concentrations of substrates were determined: glutamate-dehydrogenase (GLDH), aspartate aminotransferase (AST), lactate dehydrogenase (LDH), ß-hydroxybutyric acid, bilirubin, cholesterol, urea, creatinine, creatine kinase (CK), lactate, total calcium, inorganic phosphorus, Mg2+, Na+, K+, hematocrit (Hkt), hemoglobin (Hb), mean corpuscular haemoglobin concentration (MCHC), haptoglobin, total leukocytes (granulocytes, lymphocytes/ monocytes) and thrombocytes.

Previous hypothesis and views about the etiology of uterine torsion are represented and assessed in a literary study and a theory of development is deduced from it. Accordingly, the development of uterine torsion is a multifactorial occurrence. Sudden movements of the dam and the fetus, destabilizing factors for the uterus and a reduced amount of placental fluid play an important role in this. Investigation showed that in case of uterine torsion intra partum the rectally noticeable consistency of the uterus can give preoperatively above all the important indication for prognosis (mortality, fertility).

Blood flow measurements with Doppler ultrasound proved that uterine torsion intra partum correlates with decreasing blood circulation in the uterus. Uterine torsion causes constrictions of uterine arteries with increasing blood flow resistance and decreasing blood flow velocity.

                 Differences, conditional on torsion, from the surgical course of sectio cesarea conservativa are reported; surgical procedures and possible complications of the extra-abdominal exteriorization of the uterus are described and solutions are shown. It explores the possibility of ovariohysterectomy and its indications are defined. The surgical technique of ovariohysterectomy as well as the methods and instruments were developed and standardized on perished animals, then introduced into clinical veterinary practice.

Based on the duration and degree of uterine rotation, we define three stages of torsion, therefore the seriousness of the condition can be determined. The classification provides a means for improved prognosis and facilitates the comparison with other studies.

The investigations of metabolism showed that a preoperatively increased creatinine concentration in cows indicates a poor prognosis quoad vitam.

Immediately after surgery patients suffer from an acute anicteric hepatosis as a result of refusion. Bleeding, conditional on uterine torsion and surgery, significantly lowered the hematocrit, especially in cows with stage of torsion 3. Furthermore, hypomagnesaemia due to stress, nutrition and infusion could be detected after surgery. A postoperatively lowered plasma level of potassium associated with hypomagnesaemia indicates a poor prognosis quoad vitam. During the first four days following surgery the metabolic situation is especially critical. About 65 % of the deceased animals perished during this time; therefore, careful supervision and observation with compensation of pathological parameters is of vital importance during the time immediately after surgery.

Hypoxemia and edema are mainly responsible for the damage of the uterus in uterine torsion. They lead to massive degeneration of the myometrium then necrosis respectively. Degeneration of the myometrium an necrosis are causal for the refusion syndrome after retorsion of the uterus. The intensity with respect to the dimension of the refusion syndrome could be proved by determining the plasma haptoglobin concentration (HpBPK); for example, comparing in this connection retorsioned uterus to regular birth or to dystocia of different genesis treated with cesarean section. Histological investigations of the uterus wall 1,5 years after surgically treated uterine torsion intra partum showed a reduction of the myometrium, diffuse and nodular fibrosis of the myometrium, significantly degenerated and partly obliterated changes of the blood vessel wall, chronic infiltrates of inflammation and an atrophy of the mucous membranes. These findings as late sequelae correspond to the acute changes in the uterine wall are causal factors for infertility.

Bleedings do less damage to the uterus. For subsequent fertility after uterine torsion intra partum early (1st-3rd day post operationem) endogenous regeneration seems to be important. It depends among other things on the efficiency of the liver.

70 % of the discharged dams showed secondary illnesses during the first ten days after surgery. Generally, these secondary complications were involution disorders of the uterus caused by a metritis, for example. Furthermore abomasal displacement, phlegmon of the pelvis, adhesions and purulent endometritis were recorded. A high plasma haptoglobin concentration in the late postsurgical course is an indication for secondary illnesses. In one third of the discharged patients secondary healing of the surgical wound took place.

The survival rate of the dams was 75 %, and about 40 % of these dams became pregnant again. Survival rate and fertility can be derived from the stages of uterine torsion. Cows with stage of torsion 1 had a survival rate of 82 %, and 70 % of them became gravid again. Cows with stage of torsion 2 had a survival rate of 73 % and 37,5 % of these cows came into pregnancy again. Animals with stage of torsion 3 survived at a 56 % rate, yet all of them were infertile after recovery. The survival rate of the calves was 12 %.

Causes of death of cows with surgically treated uterine torsion were sceptical courses, which resulted from a damaged uterus due to the torsion (n = 9), embolism (n = 1) and euthanasia because of recumbency (n = 3).

The cost-utility analysis showed that the surgical treatment of cows with conservatively incorrectable torsions pays despite the risks. The benefits are milk production, survival of the calf, and possible subsequent fertility and carcass yield respectively.

Future scientific investigations about surgical treatment of uterine torsion intra partum should focus on the identification of animals which are predisposed to uterine torsion, should measure the risk of thrombosis, refusion syndrome and regeneration of the uterus.